"Nino auf heißem Ferientrip"

"Bei über 30° Hitze läßt sich's nur auf der Luftmatratze im Wasser aushalten.
An dieser alten Pferdetränke verspeisten Nino und seine Kumpels früher die geklauten Melonen." ______________________________________________________________________________________

"In roten Klamotten wie in dieser Jacke gefällt sich Nino am besten. In der kleinen Boutique seines Onkels in Laterza ist er ein guter Kunde."
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"Auf großen Landkarten sucht man vergebens nach dem italienischen Ort Laterza. Er liegt in Apulien, dem südlichen Teil des 'Stiefels', in einer Gegend, wo die Spuren des Mittelalters noch nicht ganz verwischt sind.
Die nächst größere Stadt ist ebenso wie die Strände an der Adria und dem Golf von Taranto nur mit dem Auto zu erreichen, wodurch Laterza vom Tourismus und seinen Folgen bisher verschont geblieben ist.


Dort, wo das Straßenbild hauptsächlich von Männern beherrscht wird und Mädchen wie Jungs abends getrennt auf verschiedenen Seiten die Piazza entlang bummeln, wo ein Kuß bereits als Heiratsversprechen gilt, verbringt Nino de Angelo seit Jahren seine Sommerferien.
Aber Laterza ist für den Wahl - Kölner nicht einfach ein Urlaubsziel, sondern das 'Haupt - quartier' seiner weit verzweigten italienischen Verwandtschaft. Es ist der Geburtsort seiner Mutter Stella, die inzwischen in Köln zum zweitenmal verheiratet ist. Sein Vater Pedro stammt aus dem nahe gelegenen Taranto.
Dessen Bruder und somit Ninos Onkel, Domenico Gorgoglione - so heißt übrigens auch Nino laut seinem deutschen Paß -, ist dort als Vizepräfekt der Stadt ein hohes Tier.
In Laterza machte Nino auch seine ersten musikalischen Gehversuche. Als Zehnjähriger legte er den Löffel, der ihm bis dahin als Mikro gedient hatte, aus der Hand, und durfte erst -  mals in der Tanzband seines Onkels Angelo singen. Als Übungsraum diente ihnen ein noch heute existierender fensterloser 'Bunker', wo gleich um die Ecke die Konkurrenzband des Ortes ihre Sessions abhält.


Auch den leicht verbeulten roten Fiat 500 gibt's noch, in den sich Nino früher mit vier Kumpels klemmte, um zum Melonen-Klauen aufs Feld zu fahren.
Nicht selten mußten sie im 'Cinquecento' flüchten, wenn ihnen der Bauer auf der Spur war. Kein Wunder, daß es jedes Jahr ein großes Hallo gibt, wenn Nino wieder nach Laterza kommt. Dann wird wieder über die alten Streiche gelacht und Ninos Erfolg als Sänger bestaunt, obwohl die Leute im Dorf sich nicht so recht vorstellen können, wie das bei ihm in Deutschland läuft.
Wenn Ninos Großvater dann abends zu tief ins Weinglas geschaut hat, macht er ihm schon mal vor, wie sich ein Künstler so vor Publikum zu bewegen hat. Schließlich hat der Alte darin Erfahrung, war er doch früher ein gefragter Sänger auf Dorf-Feten.
In der einzigen Boutique von Laterza, ebenfalls in der Hand eines Gorgogliones, kleben an der Wand Artikel über Nino, die in BRAVO und anderen deutschen Zeitungen erschienen sind. Keiner der Einwohner kann das Geschriebene verstehen. Doch ihnen genügen die Bilder, die beweisen, daß es einer von ihnen ist, der es in Deutschland zu was gebracht hat...

Trotz dieser familiären Geborgenheit fühlt sich Nino nicht als Italiener. 'Ich bin Deutsch-Italiener', sagt er mit Betonung auf Deutsch. Schließlich ist Nino in Karlsruhe geboren, in Köln aufgewachsen, und Deutsch spricht er besser als Italienisch.
'Klar, daß ich mich nach vier Wochen Laterza wieder auf Deutschland freue', erklärt er mit leichtem Kölner Tonfall."

(Quelle: Bravo Nr. 34 / 18.08.1983 & Text: Margit Rüdiger)